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Warum wir nur im Widerstand wachsen

Von OHM zu OM

Bahnen ziehen im Schwimmbad. Hin und her. Zwanzig oder vierzig Mal . Für die meisten Menschen ist das extrem langweilig. Für mich ist es wie Meditation plus Sport. Ich kann schweigen, ich brauche nichts zu denken und nur wenigen Dingen Beachtung schenken. Die Bahn ist klar abgegrenzt und das Becken zeigt mir wann ich umdrehen muss. Die anderen Schwimmer halten sich an feste Regeln. Immer schön im Kreis schwimmen. Dann klappt es auch mit dem Überholen :-). Meine Gedanken entwickeln beim Schwimmen gerne ein Eigenleben. Sie suchen sich ein Thema und beginnen  es zu drehen und zu wenden. Ganz so, wie sich mein Körper im Becken bewegt.

 

 Heute war das Thema Widerstand dran. „OM….“, war meine erste Reaktion unter Wasser. „Witzig“, spricht mein Gedanke, „Ohm ist DIE Maßeinheit für Widerstand.“  Om sagte ich... aber ja stimmt, für elektrischen Strom. Ohm ist sozusagen der Gegner des Flusses.  Das merke ich auch beim Schwimmen. Wasser gibt mir einen anderen Widerstand als die Erde beim Gehen. Ich komme einfach langsamer voran. Damit ich in den Schwimmfluss komme, muss ich hart gegen den Wasserwiderstand angehen. „FAHALSCH!“, ruft mein Gedanke, „der Widerstand bist DU. Du bewegst dich als Strömungswiderstand im oder entgegen dem flüssigen Medium Wasser. Das Wasser IST einfach nur. Der Störfaktor bist DU.“

 

Oh Mann, immer ich. Nicht mal in Sachen Widerstand ist es jemand anderer. Am Ende bin immer ICH es. Neal Donald Walsh sagt in seinen Gespräche mit Gott: „Es ist niemand im Raum außer dir. Niemand. Auch wenn es so aussieht. Du bist mit dir alleine. Alles was dich umgibt ist dein eigens geschaffener Erfahrungsraum.“ Tatsächlich ist es so, dass ich mich nur erfahre, wenn ich im Widerstand bin. Im Flow löse ich mich gänzlich auf. Ich verliere meine Grenzen und mein Gefühl für Zeit und Raum. Dann bin ich ein Teil des Ganzen und fühle keine Trennung. Im Widerstand merke ich ganz klar meine Grenzen.

 

So wie gestern, als ich bei einer lieben Freundin zu Besuch war, die mich sehr oft in den Widerstand bringt. Deshalb, weil sie mich interpretiert. Sie zwängt mich gerne in den Raum ihrer Deutung. Mir ist bewusst, ihre Deutung erwächst aus ihrem Bezugsrahmen, der jedoch ist gänzlich anders, als meiner.  Man kann sich also denken, dass sie mit ihren Interpretationen meist völlig daneben liegt. Das macht mich wahnsinnig.  Ich frage mich dann, weshalb sie mich so verzerrt wahr nimmt. Meine Gedanken sind da weniger selbstgerecht und fragen mich, warum um alles in der Welt ich im Zusammensein mit ihr so in den Widerstand gehe. Denn wie oben erklärt: Sie IST, der Widerstand bin ich.

 

 Und dann wird es mir klar. Es ist MIR wichtig, dass andere mich so wahrnehmen, wie ich mich selbst erfahre. Weil das meine Wahrheit ist. Meine Wirklichkeit. In dem Moment, wo etwas auf mich projiziert wird, das ich so für mich nicht erlebe, stemme ich mich dagegen. Und zwar mit aller Kraft. Teilweise bis zur Übelkeit. Ich fühle meine Wahrheit bedroht. Der Abwerkrieg beginnt. Und genau hier liegt der Raum für Wachstum. Meine Freundin zeigt mir, dass meine Wahrheit auf wackeligen Beinen steht. Im besagten Fall mein Selbstbild.

 

 Gehen wir also zurück zu der Tatsache, dass niemand im Raum ist außer man selbst, dann erkenne ich zum einen, dass meine Freundin in ihrem Deutungswahn über sich selbst spricht. Getreu dem Motto:  „Was Peter über Hans sagt, sagt mehr über Peter als über Hans“. Denn auch sie ist alleine im Raum. Ich hingegen darf erkennen, dass es mir wichtig ist, wie ich wahrgenommen werde. Dass es mir eben noch nicht so gleichgültig ist, was andere über mich denken. Und vor allem, dass ich in meinem Selbstbild noch nicht gefestigt bin. Im Spiegelkontakt mit ihr bröckelt mein Fundament.

 

 Und jetzt fühle ich vielleicht zum ersten Mal wirklich: Wir sind tatsächlich alleine im Raum! Dort wo wir anstoßen an das, was uns umgibt, ist unser Wachstumsfeld. Und dieses Anstoßen erfahren wir als - genau, als WIDERSTAND.

 

 Vielleicht rufen wir deshalb bei der Meditation so gerne OM. Weil OM der Klang des Absoluten ist. Des völligen Enthobensein von allen einschränkenden Bedingungen. Wenn wir im Absoluten angekommen sind, dann sind wir eben nicht mehr OHM, sondern OM ohne „H“ – ohne Widerstand und… vermutlich auch am Ende… unserer Existenz aber auch endlich im Weltfrieden.

 

 Und somit habe ich heute wieder im Wasser der Weisheit meine Bahnen gezogen und bin für den Weltfrieden geschwommen, ohne dass es jemand bemerkt hat.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Beate (Freitag, 17 August 2018 17:17)

    Hui liebe Katja, beeindruckende Gedankengänge.