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Die Selbstlüge

Was wäre die Welt ohne Lüge?

Letztlich kam ein Halbedelstein zu mir. Ein Spektrolith aus Finnland. Ich hatte noch nie von einem solchen Stein gehört und wollte natürlich wissen, welche Wirkung er hat. Meine Recherchen ergaben, dass der Spektrolith zur Familie der Labradoriten gehört und sehr ausgleichend wirkt. Ein beliebter Stein bei Künstlern, da er die Kreativität fördert. Auch hilft er bei der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen, weil er den Geist für neue Wege öffnet. UND er spricht beim Träger gerne das Thema SELBSTLÜGE an.

Wow. Das war mal neu. Selbstlüge. Darüber hatte ich bisher noch nicht nachgedacht. Was ist denn Selbstlüge und wende ich sie bei mir an? Bin ich MIR gegenüber immer ehrlich? Auf diese Frage hätte ich mir selbst gern mit „ja“ geantwortet. Da ich aber mit mir alleine war, konnte ich ja ehrlich sein. Und diese ehrliche Wahrheit war: Nein. In Wahrheit lüge auch mich ziemlich oft an.

Und weshalb?

Ich lüge immer dann, wenn ich, Variante A, glaube, andere mit meiner Wahrheit zu verletzen - wie gütig von mir. Oder ich lüge, wenn ich Variante B glaube abgelehnt zu werden oder die Konsequenzen der Wahrheit nicht abschätzen kann - ich armes Opfer.  Ich lüge aus Selbstschutz, weil ich gelernt habe, dass ich in 99 Prozent der Fälle mehr Nachteile habe, wenn ich die Wahrheit sage, als Vorteile. Und was so aussieht als lüge ich die andere an, ist nichts anderes als eine Selbstlüge. Somit mag ich behaupten, jede Lüge ist im Grunde eine Selbstlüge. Denn ich biege mir die Welt so, dass ICH nicht leiden muss. Und notfalls mit dem Label "Koste es was es wolle". Lügen haben auf lange Sicht zwar kurze Bein, kurzfristig verschaffen Sie uns jedoch jede Menge Vorteile. Zumindest in diesem einen Menschenleben. Und zumindest solange, wie sie unentdeckt bleiben. 

In dem Moment, wo wir der Idee von Karma einen Platz einräumen, ändert sich das jedoch gänzlich. Lügen kommen immer ans Licht. Wenn nicht in diesem Leben, dann eben im nächsten. Und in diesem Leben hat der ein oder andere von uns mit Sicherheit schon Situationen erlebt, deren Entstehung wir uns nicht erklären können. Aus spiritueller Sicht haben wir die Ursache für diese schmerzlichen Erfahrungen in einem anderen Leben gelegt. Jetzt baden wir unseren Scheiss aus. Erinnern können wir uns natürlich nicht mehr. Ist ja auch ein Tod und eine Geburt dazwischen gewesen.  Und oben drüber hängt die Überzeugung, dass das mit der Wiedergeburt Quatsch ist.

Und wenn dir der Karma-Gedanke zu abgehoben ist, kommen wir wieder zurück in dieses Leben und schauen uns noch ehrlicher den Nutzen von Variante A und Variante B an. Bei Variante A „Schutz des anderen“, erhöhe ich mich und spreche meinem Gegenüber ab, meine Wahrheit, meine Worte, meine Idee er-tragen zu können. Ich mache mein Gegenüber klein. In der zweiten Variante, Variante B, lehne ich es ab, die Verantwortung zu übernehmen. Ich stelle Bequemlichkeit über Wahrheit. Lieber bequem und alles beim Alten belassen, als wahr (meine Wahrheit). Dann könnte es nämlich unbequem werden. Für MICH! In diesem Moment habe ich mich bereits selbst verurteilt und bediene mich der Lüge, um nicht auf meinen eigenen Richterstuhl zu kommen. 

Und andersrum? Was ist mit "anlügen"? Kann mich jemand anlügen oder kann ich angelogen werden. Offensichtlich ja. Bei näherem Hinsehen scheint es mir ehrlicher zu sagen, dass der der angelogen wird sich entschließt zu glauben, dass die Lüge die Wahrheit ist. Zeigt sich die Wahrheit jedoch anders, fällt die Illusion. Und wir schreien LÜGE. Vertrackt, oder?

Was also ist Wahrheit?

Subjektiv ist sie auf jeden Fall. Gefärbt durch meine eigene Erfahrung. Wohl auch veränderbar. Auf keinen Fall Absolut und daher nicht für jeden gleich. Und Lüge? Wahrscheinlich der entgegengesetzte Pol von Wahrheit und damit eben auch nicht absolut. Eher auch subjektiv. Und ob ich jetzt bewusst lüge oder unbewusst, ob ich angelogen werde oder anlüge, am Ende geht es nur um mich. Was ist meine Wahrheit und wie begegnet meine Wahrheit anderen Wahrheiten und vor allem, wie geht es mir damit.

Der Schlüssel für Veränderung

Für mich ist diese Erkenntnis der Schlüssel für die Veränderung der Welt. Uns begegnen so viele Lügen. In der Politik wird gelogen, in Ehen, in Unternehmen, in der Werbung. Überall scheinen nur Lügen zu existieren. Wie kann es jedoch anderes sein, wenn wir selbst uns nicht eingestehen, dass wir uns so ziemlich ständig selbst bescheißen. Oder eben nicht eingestehen, dass wir eine Lüge für eine Wahrheit halten, weil sie eben bequem ist. Wir bleiben in Freundschaften verhaftet, die uns längst nicht mehr passen. Wir machen einen Job der uns auslaugt, nur weil wir uns erzählen, dass wir sonst verhungern oder nichts Besseres finden. Wir stecken in Beziehungen, die uns krank machen und bleiben, weil wir denken, wir könnten unseren Partner ändern. Wir kontrollieren uns ständig selbst, um uns den Anforderungen, die von außen an uns herangetragen werden, bestmöglich anzupassen. Dafür verbiegen wir uns gerne und passen uns an, weil wir dann konform sind. Dann gehören wir dazu. Dann werden wir geliebt. Und genau dann tut Selbstlüge weh und hat über Kurz oder Lang Konsequenzen für unser Leben und unsere Gesundheit.

WIE kann es im Großen besser und wahrhaftiger werden, wenn nicht jeder bei sich SELBST beginnt und im ersten Schritt ganz ehrlich seine Selbstlügen entlarvt. Und ich sage bewusst nur entlarven. Es geht erstmal nur darum ehrlich zu sich zu sein. Über Veränderung wollen wir hier nicht nachdenken. Lediglich über erkennen. Das verlangt schon viel Mut.

Ich lade dich zu einem Experiment ein

Beobachte dich ganz zwei Wochen selbst und erlaube dir zu erkennen wo und wann du dich selbst belügst. Nimm dir ein Tagebuch und schreibe es auf.  Dieses Experiment wird nur zwischen dir und dir erfahren. 

  • Wann lügst du dich selbst an?
  • Welchen Vorteil hast du davon?

Erlaube dir selbst, dich einmal ungeschminkt zu beobachten. Einfach nur beobachten. Schreibe deine Beobachtungen auf. Dann lege das Notizbuch weg. Nach 14 Tagen nimm das Notizbuch wieder in die Hand und lies durch, was du aufgeschrieben hast.

 

Und dann höre in dich hinein und frage dich: Ist dies das Leben, wie es mir entspricht? Ist das das Leben wie du es dir wünschst?

 

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