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Achtsamkeit - was ist das?

Was ist Achtsamkeit?

Keine Macht dem "Multitasking" - das ist meine Assoziation, wenn ich das Wort "Achtsamkeit" höre. Und Multitasking war für mich lange Zeit eine heilige Kuh. Gab es mir doch das Gefühl mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu können und damit zu dem Teil der Menschheit zu gehören, die einfach angesagt und gewollt sind. 

Wie hätte ich als alleinerziehende Mutter auch sonst all die Dinge, die auf mich einprasselten, schaffen können? Also riss ich noch im Wintermantel den Staubsauger aus dem Schrank, setzte davor noch schnell Nudelwasser auf, begann dann zu saugen, während ich mit einem Ohr auf das Wasser hörte, damit die Nudeln auch rechtzeitig im Topf landen. Wenn mein Sohn  eine Frage dazwischen funkte, reagierte ich eher ungehalten und versuchte im klar zu machen, dass ich nicht tausend Dinge auf einmal machen kann und er würde doch sehen, dass ich grade sauge und koche und noch nicht einmal den Mantel ausgezogen habe. Ergebnis: dicke Kullertränen auf den süßen Wangen meines Sohnes. Für ihn gab es nur eine Sache, die jetzt wichtig war: Er!

 

Kinder machen immer nur eine Sache. Und dabei sind sie ganz vertieft. Wenn sie im Sand buddeln, hören sie nicht, dass wir rufen. Sie sind vollkommen im Sand. Ihr ganzes Wesen ist Sand. Wenn dann langsam unsere Stimme an ihr Ohr dringt und sie den Kopf in unsere Richtung drehen, ist ganz deutlich zu erkennen, dass sie auftauchen. Sie kommen zurück aus der Sandwelt und wenden sich uns zu. Und dann sind sie bei uns. Ganz und vollkommen. Als ich in einer ruhigen Minute dieses Phänomen beobachten durfte, war mir klar, auch wenn wir glauben, viele Dinge gleichzeitig zu tun, so ist es in Wahrheit doch nur eine einzige Sache, mit der wir im Moment beschäftigt sind. Ich kann nur staubsaugen. Ich kann nicht gleichzeitig am Herd stehen und Nudeln kochen.

 

Wer also ist hier multitaskingfähig? Es ist unser Verstand. Weil ich während des Saugens bereits gedanklich über dem Kochtopf hänge, glaube ich diese Dinge gleichzeitig zu tun. Das ist aber nicht so. Und hier kam der Moment, wo ich bewusst die Entscheidung getroffen habe, nie wieder multitaskingfähig sein zu wollen. Was folgte, war ein Weg der Entscheidungen. Meine Aufgaben wurden nicht weniger, aber ich begann mir Fragen zu stellen. Fragen wie:

- Was ist mir jetzt von all den Dingen, die ich tun möchte, am allerwichtigsten?

- Geht es bei dem was ich tun möchte nur um mich, oder sind noch andere involviert?

- Gibt es Bedürfnisse meiner Umwelt, die ich in meine Entscheidung einbeziehen sollte?

 

So begann die Schulung meiner Aufmerksamkeit. Von diesem Tag an kam ich nach Hause und wendete mich zuallererst meinem Sohn zu. Wir erzählten uns unsere Erlebnisse und lachte über unsere Missgeschicke. Von ganz alleine kam dann die Ansage: "Mama, ich hab Hunger." Das war das Zeichen für mich mit dem Zubereiten unseres Essens zu starten. Danach war klar, dass Mama die Küche aufräumt und saugen gehört da eben ganz klar dazu.

 

Von Tag zu Tag wurde es ruhiger in mir. Diese innere Hektik, die sich zuweilen im Zucken eines meiner Augenlider zeigte, verschwand gänzlich. Meine Aufgaben wurden weiterhin erfüllt. In der gleichen Zeit, im Übrigen. Aber viel gelassener und mit viel mehr Freude.

 

7 Jahre ist dieser "Tag der Entscheidung" nun her. Ich übe mich noch immer regelmäßig und bewusst in meiner Achtsamkeit. Diese Schule geht nie zu Ende. Je tiefer ich einstieg, desto intensiver wurden meine Übungen. Heute ist mein Sohn 16 Jahre und er weiß genau, dass ich nicht zwei Dinge auf einmal "kann". Wenn ich konzentriert bei der Arbeit bin, setzt er sich zu mir ins Büro und wartet, bis ich mich ihm zuwende. Dann beginnt er zu erzählen. Und er weiß sicher: ich höre ihm voll und ganz zu.

 

Achtsamkeit ist kein spiritueller Hokuspokus oder irgendeine dieser östlichen Religionsspinnereien. Sie liegt in der Natur des Menschen. Es ist der Zauber der Gegenwärtigkeit. Des Innehaltens. Des Beobachtens. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ohne Achtsamkeit hätten wir alle unsere wissenschaftlichen Entdeckungen nie gemacht. Nur ein aufmerksamer Beobachter erkennt, nicht offensichtliche Zusammenhänge. Ohne Aufmerksamkeit, kein Feuer. Achtsamkeit heilt. Sie senkt Bluthochdruck, entlädt ungesunde Spannung, senkt den Blutzuckerspiegel, verringert Süchte.... die Liste ist lang. Und das tollste: alles völlig kostenfrei!

 

Halten wir fest:

- Sich in Achtsamkeit üben zu wollen ist, eine bewusste Entscheidung

- Der Erfolg kommt nicht am nächsten Tag. Dieser Weg ist ein unendlicher. Er beginnt mit dem ersten Schritt

- Unser Verstand ist auf diesem Weg unser größter Widersacher

- Wenn ich damit beginne, brauche ich einen Plan

- Es braucht Mut. Weil du dich verändern wirst

 

Bevor du also mit deiner Achtsamkeitspraxis beginnst, stelle zuerst fest, was du mit dem Begriff Achtsamkeit assoziierst. Nimm dir einen Moment Zeit und notiere alles was dir im Zusammenhang mit dem Wort Achtsamkeit einfällt. Denke nicht groß nach. Lasse deine Intuition sprechen.

 

Los geht's. Du hast genau 2 Minuten.

 

Und wenn du jetzt ein wenig mehr Klarheit hast, dann Starte mit meinem kostenfreien Achtsamkeitskurs.