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Achtsamkeitskurs - Woche 8

Der Wald nimmt dir deine Last

Der Wald ist für mich ein Teil meines Lebens. Es vergehen keine drei Tage, ohne dass ich nicht mindestens für eine halbe Stunde zu meinen Baumfreunden eile. Nun muss ich sagen, ich bin aufgewachsten im Wald. Mein Elternhaus stand weit weg vom Kernort, umgeben von Wald und Wiesen. Ganz losgelöst von öffentlichen Versorgungseinrichtungen wie Wasser oder Abwasser. Und vor 40 Jahren, so ganz ohne Internet und Soziale Medien, mit lindgrünem Kabeltelefon und Schwarz-Weiß-TV,  war es dort schon manchmal einsam. Ich habe das nie so empfunden. Ja klar, ich habe mich gelangweilt. Das ist jedoch ein anders Gefühl als Einsamkeit. 

Wenn ich alleine zu Hause war und mal keine Freundin zu mir kommen wollte, dann bin ich in den Wald. Dort war alles, was ich brauchte. Ich konnte spielen, Abenteuer erleben, mit seltsamen Wesen sprechen (die ich im Übrigen noch heute sehe), mich verlaufen und mich wieder finden. Der Wald hat mich nie verlassen. Er war immer da. Und selbst in London habe ich mir einen Wohnbezirk gesucht, der am Wald lag (das gibt es!!!).

Das Wesen Wald / die Waldwesen

Wenn Du schon länger nicht mehr im Wald warst, oder eben nur durch einen Stadtwald gelaufen bist, in dem sich alle paar Meter von Menschen gemachte Gegenstände, wie Parkbänke oder Mülleimer befinden, dann wird diese achte Woche eventuell eine kleine Herausforderung für dich werden. Obwohl es nur zwei Übungen gibt:

  • Suche dir einen Baum den du in dieser Woche jeden Tag besuchen kannst (etwas abgelegen vom "Menschenverkehr")
  • Plane einen Waldbesuch. Damit meine ich wirklich Wald. Tief im Wald. Abseits der Wege. Nimm dir dafür mindestens 3
  •  Stunden Zeit

Und tägliche grüße deinen Baum - Übung 1

Die Übung ist ganz einfach. Wenn du deinen "Wochen"-Baum gefunden hast, lade ich dich zu einem kleinen Experiment ein. Lasse dich urteilsfrei darauf ein - erinnere dich dass Urteilsfreiheit ein Kernaspekt der Achtsamkeit ist. Mache dich mit dem Baum bekannt. Stelle dich vor und erzähle dem Baum, was du in dieser Woche vor hast. Wenn es in deiner Welt noch seltsam ist, den Baum als Wesen zu behandeln, dann probiere es einfach einmal aus. Der Baum, ein Wesen, das ein wenig anders ausschaut als du und ein wenig anders kommuniziert als du. Was also hast du vor? Du möchtest deinen Baum ganz persönlich kennenlernen. Am besten nimmst du dir dazu eine kleine Kladde und führst ein Baumtagebuch. Und nun höre dem Baum jeden Tag für ca. 30 Minuten ganz achtsam. Beobachte ihn. Fühle und rieche ihn.

  • Wonach duftet er/sie und ändert sich das von Tag zu Tag
  • Wie fühlt er sich an? Welches Gefühl hast du, wenn du an ihm/ihr lehnst? Vielleicht gibt dir der Baum Kraft, oder er beruhigt dich oder er nimmt Last von deinen Schultern.
  • Welche Tiere leben mit dem Baum zusammen?
  • Wie hört er sich an?

Werde kreativ und lasse dich auf den Baum ein. Beobachte dabei nur. Bewerte nicht. Schreibe auf, was du wahrnimmst.  Haste das die ganze Woche durch. Nur aufschreiben was du wahrnimmst.

 

Waldtag mit Gehmeditation - Übung 2

Plane deinen Waldtag sorgfältig. Dazu gehört eine Gebietskarte, die dich vor dem Verlaufen schützt, ein Rucksack mit Wasser und einer Kleinigkeit zum Essen. Nimm dir eine Unterlage mit, falls du dich nicht gerne direkt auf den Waldboden legen möchtest. Bevor du deinen Waldtag startest, beobachte, wie du dich fühlst. Geh dazu nach innen und fühle mit geschlossenen Augen, was dich vor Aufbruch in den Wald bewegt.

Dort angekommen, betritt den Wald achtsam. Bleib vor Betreten des Waldes einen Moment an der Baumgrenze stehen und bitte den Wald gedanklich um Einlass. Und dann tauche ein. Spüre hin. Was geschieht mit dir? Wie verändern sich die Luft und der Geruch? Du kannst zum Spaß auch aus dem Wald raus gehen und riechen und fühlen, dann wieder in den Wald rein und riechen und fühlen und wieder raus.... Es ist wie eine unsichtbare Grenze da am Waldrand.

Um anzukommen, beginne mit einer Gehmeditation. Sie wird dich gedanklich von deinem Alltag wegholen und dich frei machen für die Begegnung mit dir, dem Wald und den Waldwesen. Es ist wichtig, dafür ein gerades Stück Weg auszusuchen, bzw. eine Lichtung. Es geht nämlich nicht um Vorwärtskommen, sondern um den Bewegungsablauf des Gehens. Und um das Abschalten deiner Gedanken. Also bitte, ein überschaubares Stück Weg wählen. Gehmeditationen verführen sich zu verlaufen.

Wir spüren sehr bewusst, wie wir den Fuß anheben, das Gewicht verlagern, den Fuß nach vorne schieben, und wieder mit dem Boden in Kontakt kommen. Nach einer Weile können wir dann unsere Achtsamkeit auf alle Körperempfindungen richten: Unsere Atem, den Fluss unserer Bewegungen, den Rhythmus unserer Schritte. Nach einer Weile können wir unsere Achtsamkeit auch auf unsere Umgebung lenken. Während wir achtsam gehen nehmen wir mit allen Sinnen wahr was um uns herum geschieht: Wir hören, sehen und riechen bewusst und bleiben in Kontakt mit dem Augenblick.

Stelle dich zu Beginn aufrecht hin. Die Füße etwas auseinander und spüre den Kontakt deiner Fußsohlen mit dem Boden.
Spüre, wie deine Fußsohle den Boden berührt und nehme genau wahr, ohne zu werten:
Liegt mehr Gewicht auf dem Vorderfuß oder auf den Fersen? Ist Ihr Gewicht auf beide Beine gleich verteilt?
Gehe nun zu deinem Körper. Stehst du gerade oder nach hinten oder nach vorne gebeugt?
Sind deine Schultern entspannt? Kann dein Körper loslassen, in Vertrauen darauf, dass deine Füße und die Erde ihn tragen werden? Verändert sich Ihr Körper oder Ihre Haltung wenn Sie ihren Körper wahrnehmen?

Jetzt laufe los. Ganz langsam. Hebe erst den rechten Fuß. Beobachte, was sich dabei in deinem Körper außerdem noch bewegt. Strecke den rechten Fuß nach vorn und setze zuerst die rechte Ferse auf. Dann lass langsam den Fuß abrollen. Was geschieht im dem linken? Beginnt er bereits in eine Rollbewegung zu gehen, bevor der rechte Fuß ganz auf der Erde steht? Achte auf alles. Bewege dich in Zeitlupe.


Wortpaare während der Gehmeditation:
Um die Konzentration aufrecht zu erhalten kann es auch während der Gehmeditation sinnvoll sein, den Geist mit einer einfachen Aufgabe zu betrauen. Wenn wir Gehmeditation praktizieren können wir beispielsweise unsere Schritte zählen, welche wir während des Einatmens und während des Ausatmens machen. Du kannst auch im Geist bestimmte Worte wiederholen. Mein Lieblings Mantra im Wald ist: Angekommen – Zu Hause - hier - und - jetzt.

 

Tauche nach ca. 10 Minuten aus deiner Meditation wieder auf und nimm den Wald jetzt nochmals einatmend in dir auf. Nun lauf los und suche dir einen schönen Platz mitten im Wald abseits der Spazierwege. Einen Platz, der dich magisch anzieht. Lass dich dort nieder und verweile. Tue nichts. Sitze, liege, stehe. Aber tue nichts. Für mindestens eine ganze Stunde. Nimm nur wahr was in dir und um dich geschieht.

ZUm Abschluss

Nächste Woche sind wir bereits in der 9. Übungswoche angelangt. Wir beschließen diesen 9-wöchigen Kurs mit einer Atemmeditation aus dem Yoga. Mit 10 Tips für ein achtsameres Leben darfst du dann entscheiden, ob du auch in Zukunft dem Aspekt der Achtsamkeit einen Platz in deinem Leben einräumen möchtest.

 

Ein wundervolles Wochenende

Deine Katja

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